Atemtherapie ein therapeutisches Verfahren

Atemtherapie

Was ist Atemtherapie?

Atemtherapie zählt zu den ältesten therapeutischen Verfahren. Durch das Entwickeln der Atemkraft und das Wahrnehmen der eigenen unbewussten Atemmuster können Beschwerden erleichtert oder gelöst werden. Außerdem kann der Gedankenfluss beruhigt und die körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte des Menschen gestärkt werden. Das begleitende therapeutische Gespräch unterstützt den Wahrnehmungsprozess und ermöglicht, über die eigenen Erfahrungen und Gefühle, Klarheit und Erkenntnis zu erlangen.

Welche Zielsetzung wird verfolgt?

Zielsetzung der Atemtherapie ist, den Selbstwahrnehmungsprozess in körperlicher und seelischer Hinsicht sowie in sinnstiftender Richtung zu fördern. Als Leitfaden hierzu dient das Bewusstwerden des Atems in seinem Rhythmus und Bewegungsraum. Dabei wird grosser Wert auf die Integration des Erfahrenen in den Alltag gelegt. Der Atem umfasst den Menschen in seiner Ganzheit. Die Atmung als lebensnotwendige Grundfunktion ist mit allen Vorgängen im Organismus verbunden. Alltagsverhalten, Gedanken, Gefühle und körperliche Veränderungen wirken sich auf den „natürlichen und unwillkürlichen“ Atem aus. Sie können diesen anregen, vertiefen oder teilweise einschränken.
Der Mensch und sein Organismus sind darauf ausgerichtet, auch bei wechselnden inneren und äusseren Einflüssen in einem dynamischen Gleichgewicht zu bleiben bzw. dieses wiederherzustellen. Der somatovegetative Zugang über den Atem und die individuellen Ressourcen in der Einzelbehandlung oder im Gruppensetting sind dabei zentral.

Was tun wir?

Bei der Befunderhebung orientiert sich die Atemtherapeutin am Atembild, dem körperlichen Spannungs-, Haltungs- und Bewegungsbild, an der Stimme, am Energiegeschehen und den Äusserungen der Klientinnen im Gespräch. Dabei beachtet die Therapeutin Faktoren wie die Qualität des Atems, die Grundspannung der Muskulatur, die Haltung und den Bewegungsfluss, den Klang der Stimme, das Beziehungsverhalten sowie die ganzheitliche Ausstrahlung. Gemeinsam mit der Klientin wird der Befund besprochen und mögliche Behandlungsschritte festgelegt.
Die Therapeutin realisiert die Therapie als ein fortlaufendes, interaktives Geschehen. Die gerichtete Aufmerksamkeit auf den natürlichen Atem ist in seiner Bewegung und Richtung das unmittelbare therapeutische Mittel, welches den Zugang und Kontakt zu den inneren Abläufen und Prozessen ermöglicht. Mithilfe von atem- und körperorientierten Übungen sowie Atembehandlungen (auf der Kleidung oder auf der Haut) mit Druck, Dehnung und Bewegung wird die Empfindungsfähigkeit, Selbstwahrnehmung und Differenzierungsfähigkeit der Klientin gefördert.

Gemeinsam

Das begleitende Gespräch unterstützt die Klientin im achtsamen Wahrnehmen des Atems in seiner Bewegung und Qualität. Durch sorgfältiges Einbeziehen dieser Erfahrungen wird es dem Patienten möglich, ihre Wahrnehmungen bewusst zu reflektieren und die persönlichen Veränderungen in Bezug zu den Körperwahrnehmungen, der Atemqualität und der Befindlichkeit zu beobachten und zu benennen. Dies vertieft und integriert die Wirkung der Therapie und stärkt die Klientin in der Selbstregulation, der persönlichen Gesundheitskompetenz und im selbstverantwortlichen Handeln. Therapeutische Erfahrungen, Erkenntnisse und Entwicklungen (körperlich, seelisch, sozial) werden so bewusst mit den Anliegen und Ressourcen der Patienten verbunden.
Die Therapeutin achtet darauf, den Heilungsprozess nachhaltig abzurunden. Sie ermöglicht, über bewusst erfahrene Körper- und Atemerlebnisse, Verbindungen zum Alltagsverhalten und der eigenen Lebensgeschichte herzustellen. Dabei unterstützt sie die Patienten im Erkennen der persönlichen Ressourcen, der Wahrnehmung ihres natürlichen Atemrhythmus sowie ihrer verbesserten Atembewegungsqualität.